Archiv für Mai 2007

Las bodegas

Holladiho!

Eine weitere Woche ist (fast) verstrichen und ich gewöhne mich so langsam an meine neue Arbeit. Es hat Vorteile wie Nachteile, wobei die Nachteile wahrscheinlich eher andere Leute betreffen und nicht mich. Wie zum Beispiel verwechslungen von Fisch und Waschmittel oder so… :) Ganz so schlimm ist es inzwischen nicht mehr! Es sind auch ungefähr nur 5000 neue Vokabeln – schön geordnet auf 5000 Karteikarten, als wär es zum lernen gemacht. Ich werde das mal fotografieren bei Gelegenheit. Vorteile der Bodega sind, dass ich bei dem seit heut Nacht eingesetzten Dauerregen schön im Trockenen sitze uuuund Radio hören kann. Sehr fein! Ich hoffe, nur ich behalte alle wichtigen Dinge im Kopf, die ständig nachbestellt werden müssen wie Salz, Mehl, Eier, Käse, Schinken etc… „Sin sal el hotel cerra!“, meinte Yonattan heut. :) So schlimm wird’s schon nicht werden, hoffe ich. Morgen bin ich den ersten Tag ganz allein in der Bodega. Spannend! Freie Bahn für Marziiipaaaaan! Leider ist Nancy, die Sekretärin dann auch nicht mehr da. Somit wird eh das Chaos ausbrechen im Büro auch ohne mein Zutun.

mein “Büro” - la bodega einer der Vorrats-Kühlschränke

Aber ich muss viel Spanisch sprechen in der Bodega, das ist hervorragend. Vor allem die grausigen Telefongespräche mit den Lieferanten. Gestern war ich zur Abwechslung zu Besuch in einer chilenischen Schule. Dort war „English Day“ und deswegen musste ich mich auf Englisch vorstellen und Fragen beantworten. No es ni problema! War witzig! Außer mir gab es noch zwei Austauschschülerinnen aus den USA, einen Sachsenbengel (lol- das ist schon ein eigener Schlag!) und einen kleinen Finnenburschi. Die waren zwar alle viel jünger als ich aber ist ja wurst. Die erste Frage war natürlich gleich, ob wir die chilenischen Jungen/Mädchen hübsch finden und ob wir schon vergeben sind. Wie das halt so ist.. hi hi Insgesamt war die Atmosphäre sehr locker und angenehm und die Schüler etwas scheu mit ihren Fargen, weil sie ja englisch reden mussten und die Lehrerriege im Nacken hatten. Vor der allgemeinen Fragestunde in der Bibliothek, wurden wir mit Kaffee und Kuchen bedient und es war wie ein kleines Schulfest. Und das Beste daran: als Dankeschön habe ich eine ganze komplette tolle leckere Tafel Mandelschoki bekommen!!! Yuppii! :)
Auf dem Rückweg bin ich mit der Senora Maria Elena nach Pelequen zum Bahnhof gefahren, wo Sie in den Zug nach Santiago gestiegen ist. Ich durfte ihr Auto zurück zur Hazienda fahren. Kaum zwei Minuten später hat mich die Polizei angehalten, weil ich zwei Stoppschilder „gemütlich“ überfahren habe. Grummel… die sind aber auch so klein hier! Immerhin sind sie auch rot und achteckig.. grins. Ähem, ja und weil ich nicht eingeplant hatte, dass ich an dem Tag Autofahren sollte, hatte ich natürlich weder Ausweis noch Führerschein noch Geld dabei (nur Schokolade, aber die geb ich niiiiiemals her!). Auf dem Hinweg hatte mir die Senora noch gesagt, ich soll einfach sagen, ich spreche kein Spanisch, wenn ich angehalten werde, aber dazu war ich zu feige und hab leider auch zu gut verstanden, was der nette grüne Mensch zu mir gesagt hat. Ich hab dann aber in meinem schlechtesten Spanisch erklärt, dass ich kaum Spanisch spreche und gefragt ob er nicht Englisch mit mir reden könne. Konnt er natürlich nicht. Hi hi.. Von da an habe ich nur noch fragend angeschaut (mit dem schönsten Lächeln natürlich!) und gesagt, dass ich ihn nicht verstehe. Und so bin ich mit einem blauen Auge davon gekommen! Glück gehabt! Ja, ja… so war das. Auf der Weiterfahrt hab ich mich nur noch gefreut. Grins :D

Heute findet ein Fussballspiel zwischen dem Hotel und den Carabineros statt. Wie passend. Zum Glück regnet’s, da kann ich unauffällig meine Kapuze ganz tief ins Gesicht ziehen. Grins… nich das sie mich noch nachträglich zur Rechenschaft ziehen.

Samstag nach der Arbeit fahre ich Nancy besuchen. Wir wollen Pizza backen und ausgehen (glaub ich). Ich würde gerne „Fluch der Karibik III“ sehen, aber das könnte man ja auch Sonntag noch machen. Mal sehen was passiert. Am 10.Juni treffe ich hoffentlich eine alte Schulfreundin von mir (Ewa) in Santiago. Die düst schon seit ‘nem guten dreiviertel Jahr hier in Südamerika ‘rum und studiert jetzt gerade irgendwo in Brasilien? Ja hm Rio war’s, oder? Verdammt, ich werd mir das nie merken.

Auf zum Fussballspiel…
(wenn ich mich in vier Tagen nicht wieder gemeldet habe, wurde ich festgenommen… :) )

Schichtwechsel!

Brrrr, es wird immer kälter! Nachts friert’s nun schon! Pfui! Mittwoch und Donnerstag hatte ich zwei freie Tage, weil ich das lange Wochenende davor gearbeitet habe. Pfingsten gibt es hier auch, aber keine Pfingstferien. Leider hat mich natürlich exactamente Dienstagabend eine Grippe erwischt. Mittwochfrüh bin ich zwar trotzdem nach Rancagua gefahren, konnte aber außer Schokolade kaufen (sehr wichtig! :D ) nicht viel machen, weil ich so kraftlos war. Eigentlich wollte ich die alte Kupfermine „El Teniente“ besichtigen. Que pena! Quiza otra vez. Mittags habe ich dann beschlossen „schnell“ zurück zur Hazienda zu fahren und mich ins Bett zu legen, da ich mich nur noch von Parkbank zu Parkbank geschleppt habe, doofe Kopfschmerzen und Schüttelfrost hatte. Vergessen hatte ich dabei allerdings, dass es das Wort „rapido“ hier in Südamerika eigentlich gar nicht existiert… Zuerst musste ich eine Stunde auf meinen Zug warten, dann bin ich 40 Minuten mit dem Zug bis nach Pelequen gefahren (ein Ticket kostet hier übrigens für die Strecke von ca. 60km nur 70cent!) Aber es gibt auch nur eine einzige Zugstrecke in Zentralchile: entweder man Fährt Richtung Norden oder Richtung Süden, einfache Auswahl! Und in Pelequen ist der Hund verfroren! Es gibt nur drei Busse am Tag, die zur Hacienda fahren und der nächste wäre erst in 3,5 Stunden gekommen. Also hab ich mich ein Weilchen ausgeruht und versuchsweise ein paar der anderen Busse angehalten und gefragt, ob sie nicht Lust haben mich zur Hazienda zu fahren – hatten sie leider nicht! Grmpf! Dann bin ich gelaufen. Es ist eigentlich nicht sonderlich weit, ca. 3km bis zu der Landstrase die zur Hazienda raus führt. Allerdings war ich ja sowiso schon platt und im Auto übersieht man schnell wie lang die Strecken zwischen den Kurven wirklich sind. Vor jeder Kurve dachte ich, DAS ist die letzte… nein, war es nicht! Das waren bestimmt nochmal 4km. Da hab ich mir Ingrata herbeigewünscht! :) Norf…
Donnerstag habe ich hauptsächlich geschlafen und Tee getrunken. Und ich habe das Hörspiel „Im Namen der Rose“ angehört, das war furchtbar spannend und ich musste mich ganz oft gruseln, wenn die Mönche da im Edificio in der geheimnisvollen Bibliothek rumgespukt sind oder ständig neue Leichen gefunden haben. Schnatter… ;) Jetzt geht es mir wieder besser. Übermorgen ist ja auch schon wieder Sonntag, da kann ich gaaanz viel schlafen! Rescansando… muy bien! Yupp yupp yupp!

ein sonniger Nachmittag auf der Hazienda

Heute wurde ich Jonathan (was für ein chilenischer Name… hi hi. Erinnert mich irgendwie an Alfred Judokus Quak. Lol…) als Assistentin zur Seite gestellt. Jonathan verwaltet die sogennanten „bodegas“, d.h. vermutlich sowas wie Vorratskammern. Hab ich noch nicht nachgeschlagen, aber liegt nahe. Wir haben heute tausende von Listen ausgefüllt und das neu eingetroffene Obst und Gemüse registriert, Einkaufslisten geschrieben und Weinpräsente eingepackt. An einem der Weinkeller war übrigens das Schloss kaputt. Sah aus wie aufgebrochen, aber keiner wusste warum und gefehlt hat wohl auch nichts. Hm, vielleicht ist es im Laufe der Jahrhunderte durchgerostet! Ha ha.. Nachmittags haben wir ein witziges Zahlendiktat veranstaltet und ich besitze nun meine persönliche Telefonliste für sämtliche Einkaufsläden und Lieferanten der Umgegend (sogar vom San Fernando Archipel, wo die besten und teuersten Langusten gefangen werden). Das beängstigende ist allerdings, dass ich (HILFE!!) dort nächste Woche überall anrufen und Sachen bestellen soll! Ich weiß ja nich, ob das eine gute Idee ist. Ihhhh… wer weiß wieviel Tonnen Klopapier hier dann angeliefert werden. (Das ist nämlich gerade ausgegangen.)  Mio mio… Ich bin gespannt. Mal abgesehen davon, dass ich erstmal die Gänseleber vom Rinderbein unterscheiden lernen muss – worttechnisch gesehen natürlich!
Ahhh und gleich den nächsten Schrecken haben sie mir eingejagt, als Jonathan erzählt hat, dass er nächsten Freitag für 15 Tage in den Urlaub fährt! Dann versteck ich mich ab Donnertagabend am besten im Heuhaufen! Alleine blick ich da nicht durch, durch den Listenkram! Ne ne ne. Jonathan hat einen lustigen braunen Golden Retriever, hat irgendwie nen kleinen Farbtouch. Der heißt ‚Happy’, wird hier aber wie ‚Chappi’ ausgesprochen. :D

Gestern ward übrigens der Chefkoch gefeuert. Heute war er allerdings wieder da. Die sind sich da grad wohl nicht so einig, die Herrschaften. Ich geh mir jetzt auch sicherheitshalber etwas zum Abendbrot organisieren bevor plötzlich die Küche geschlossen wird…
Nelson bei der Pediküre
Bis denn dann!
Eigentlich muss ich noch ganz viel von den Pferdchen berichten, aber ich hoffe ja, dass ich da schnell wieder zum arbeiten hin kann. Dann gibt es neue Pferdeinfos! Lina, die Tierbändigerin! hi hi

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