Freitag vor einer Woche fing der Spaß an: Anstatt morgens um 6:30 Uhr gut gelaunt aus Santiago davonzuschweben, wurde der Flug wegen schlechter Sicht (Nebel) um 6 Stunden verschoben. Dabei haben die hier schon ein extra Nebelsystem, weil die Stadt halbkreisförmig von den Anden umschlossen wird und es ziemlich oft neblig ist. Grmpf! Drei Frühstücke später ging es dann endlich los und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, dass Andre und Katja inzwischen ohne mich auf dem Weg nach Abancay sind. Aber sie haben tapfer am Flughafen in Lima auf mich gewartet. So sind wir gemeinsam „ganz gemütlich“ die 900km in einem schicken Suzuki-Jeep (mit leicht getönten Scheiben im Fond) über das Altiplano bis nach Abancay zu Caro und Rayko gefahren. Wegen den halbdunklen Scheiben hätten wir kurz hinter Lima bei einer Polizeikontrolle fast das ganze Auto abgeben müssen. In Peru dürfen wohl nur „Offizielle“ damit rumfahren, aber der Kollege Lopez fand im Gegensatz zu dem Polizisten, der uns angehalten hat, die Scheiben doch nicht so dunkel und wir durften nach einem Telefonat mit der Autovermietung ohne Strafe weiterfahren.
Nach einer Nacht in Ica haben wir uns die seltsamen Nascar-Figuren angeschaut und danach sind wir von der Küstenstrasse abgebogen und es folgten endlose Serpentinenkilometer mit unzähligen Kurven (und unzähligen wilden Tomatenpflanzen verschiedenster Art)! Um diese kleine Einwürfe in Klammern zu verstehen, müsst ihr wissen, dass ich mit vier doktorierten Biologen (einige davon auf dem Weg zum Professor) unterwegs war… Im Auftrag der Tomaten sozusagen! Eins der ersten Untersuchungsobjekte war eine „Solanum chilenses“, wenn ich richtig aufgepasst habe. Dann hatten wir das unfassbare Glück gleich zwei Kondore auf einmal fliegen zu sehen!!
Hier ein kurzer Auszug aus Wikipedia:
Der Andenkondor (Vultur gryphus) ist einer der größten flugfähigen Vögel der Erde.Er misst eine Körperlänge von 110 Zentimetern und kann ein Gewicht von 12 Kilogramm erreichen. Seine Flügelspannweite kann bis zu 3,2 Meter erreichen. Damit besitzt er eine der größten Spannweiten im Reich der Vögel (neben der des Albatrosses), mit der er eine Flughöhe von bis zu 7000 Metern erreichen soll. Er besitzt weiße Federn auf der oberen Gefiederhälfte sowie eine flaumige und weiße Halskrause. Der Kopf ist rötlich gefärbt. Der Andenkondor kann ein Alter von über 70 Jahren erreichen.
Oben auf ca. 4200 Meter gibt es wunderschöne Seen und wenn man nicht so nach Luft schnappen müsste sobald man nur kurz die Luft anhält um ein unverwackeltes Foto zu schießen, dann würde man gar nicht merken, dass man auf einem riesen Gebirge herumspaziert, da alles ziemlich flach und mit Gräsern bedeckt ist. Dank meiner Begleiter „vom Fach“ habe ich einen sehr detaillierten Einblick in die vielfältige und sehr spezielle (wegen der enormen Höhe) Vogelwelt Perus bekommen. Nicht selten kam es vor, dass nach einem aufgeregten „Daaa, daaaa sieh doch mal!!!“ die Reifen quietschten und das Fernglas ausgepackt wurde… hi hi Mir hat es sehr viel Vergnügen bereitet und dumm geblieben bin ich dabei sicherlich auch nicht. Neben Flamingos und Riesnrallen, haben wir Enten mit blauen Schnäbeln und allerlei anderes lustiges getier beobachten können. Einer der Lieblingsausrufe war auch „Da, das ist ein Kara Kara!!“ – „Nein, das ist doch kein Kara Kara, der ist ja ganz braun!“ – „Doch, das ist ein junger Kara Kara“ – „Kommen die überhaupt hier vor in dieser Höhe?“ – „Hat der einen weißen Streifen?“ – „Nein, aber guck doch mal wie der fliegt!“ usw. und so fort… hi hi hi
Nach der Zusammenkunft mit Rayko und Caro in Abancay, haben Caro und ich die Wissenschaftler fleißig arbeiten lassen und uns nach Cuczo abgesetzt. Von hier aus haben wir zwei supi Tage auf einem Fluss dessen Namen ich vergessen habe rumgespielt. Zuerst im großen Gummiboot (Rafting) und dann in einer kleinen Plastikbohne (Kajak). Fürs Rafting hatten wir eine Strecke mit Rapids der Schwierigkeit III, wobei das in so nem großen Boot nicht besonders auffällt. Mit dem Kajak waren wir zuerst in der Lagune von Usco, wo wir die Eskimorolle lernen sollte… blubb blubel blubb, sag ich da nur. Eine komplette Rolle haben wir nihct geschafft (zumindest nicht mit Kajak am Hintern!). Nach ca. 1,5 Stunden „Rollunterricht“ mit ständigem Boot-an-Land-schleppen, Wasser-auskippen, wieder-einsteigen-und-gummilaz-festschnallen sind wir dann frisch-fröstelnd zum Fluss gefahren worden. Da Caro schonmal Kajakerfahrungen in Österreich gesammelt hatte, war ich die einzige, die sich vor den kleinen Stromschnellen der Schwierigkeit II mit „riiiiiiesigen“ Wellen gefürchtet hat. Naja…so groß waren die Wellen nich, aber man will ja auch nicht Kopfunter den Fluss runterschippern! Hi hi… war jedenfalls lustig und anscheinend entwickelt man mit etwas mehr Paddelerfahrung auch den Elan nach den Stromschnellen mit einem eleganten „Eddie“ (oder war’s doch der Eric?? hi hi) im Kehrwasser wieder den Fluss raufzupaddeln und sich erneut in die Wellen zu stürzen…. Norf, mir hat’s meistens gereicht, wenn ich überhaupt irgendwie ins Kehrwasser gekommen bin – ob vorwärts oder rückwärts war mir eigentlich egal.
Donnerstag sind wir dann zu fünft mit dem Auto zurück nach Lima und haben unterwegs im Nationalpark Paracas Halt gemacht. Nachdem uns die Fischer schon fast durch das Fenster aus dem Auto gezerrt haben, sind wir mit einem kleinen Böotchen zu den Islas Ballestas gefahren. Hier konnte ich endlich die ersten Humboldt-Pinguine „in echt“ sehen. Niedliche kleine Hüpf-Bojen im Frack! Desweiteren waren Inka-Seeschwalben, zwei Arten von Cormoranen, Peruvian Boobys (Möwen) und Peruvian Pelikans zu beobachten, wobei sich noch streiten lässt, ob der Peruvian Pelikan nicht das gleiche ist wie der Brown Pelikan… aber diese Entscheidung überlasse ich den Leuten vom Fach! Trallala… es ist einfach herrlich, wenn vier Biologen hin und her diskutieren (und ich saß natürlich hinten in der Mitte – mitten im Kreuzfeuer!).
Nachdem die Polizei in Lima „unseren Leit-LKW“, der uns den Weg zum Flughafen zeigen sollte, aus dem Verkehr gezogen hat, sind wir doch irgendwie noch recht gut hingekommen. Was aber auch nichts half, da mein Flug hoffnungslos überbucht war, 12 leute zuviel! Norf! Taca-Airline hat dann allerdings eine Nacht inkl. Vollpension im Fünft-Sterne-Bunker in Lima spendiert. Samstagmorgen habe ich also nach dem Abgrasen des ca. 10-Meter-langen Frühstücksbuffet schläfrig in meiner vollgeschäumten Jakuziwanne gelegen und auf das Taxi abends zum Flughafen gewartet. Ahh.. und vor dem gemütlichen Teil, gab es noch einen kleinen Schock als morgens um 9 Uhr (vorm Frühstück!) das ganze Zimmer gewackelt hat! Ein Erdbeben im achten Stock ist doch schon ein bißchen gruselig, auch wenn’s nur ganz kurz war!
Samstagabend, zurück am Chek-In-Schalter konnte ich nachdem mein Boardingpass gedruckt war noch einen Fluggutschein für 300 US-Dollar rausschlagen und dann sind wir tatsächlich abgehoben. Yuchuuu!! .. aber denkste, zu früh gefreut! Mitten in der Nacht kreisen wir über Santiago und man staunt gerade noch über die vielen bunten Lichter am Boden, da verkündet der Pilot, dass er wegen schlechtem Wetter nicht landen kann und in eine 40-minütige Warteschleife fliegt. Schnarch… ein Raunen ging durch die Kabine. Das Gebrüll kam dann als nach den 40-Minuten verkündet wurde, dass wir über die Anden rüberfliegen und in Mendoza, Argentinien, landen werden! Somit war dann der zweite Tag mit dem Versuch von Lima nach Santiago zu kommen gescheitert… Der Witz war noch, dass die Stewardess vollen Ernstes „Bienvenido en Chile!“ zur Landung durchgesagt hat. Sie hat ihren kleinen Fehler allerdings kurz darauf korrigiert. Es gab schallendes Gelächter – wenigstens ging der Humor bei den Leuten nicht verloren! Um 5 Uhr morgens, nachdem sie irgendeinen armen Zollbeamten aus dem Bett geworfen hatten, um uns (ca. 130 Personen)offiziell in Argentinien einreisen zu lassen, sind wir in einem 4-Sterne-Hotel angekommen. Um 10 Uhr gab es die Weckrufe, dass wir um 11 wieder zurück zum Flughafen gebracht werden…. Inzwischen kannten wir uns auch fast alle schon persönlich und es kam das Gefühl einer Klassenfahrt auf. Hi hi… Der Flughafen in Mendoza ist ziemlich klein und hat nur vier Gates zu denen zwei Eingänge führen. Wir standen zuerst an Gate 3/4 als die Durchsage kam, dass wir zu Gate 1/2 wechseln, weil der LAN-Maschine noch drei unauffindbare Passagiere fehlten. Zuerst kam ein großes Raunen, dann folgte eine Estampada… wie eine Herde Büffel! hi hi Es war einfach nur noch witzig. Als die Crew und der Pilot eintrafen gab es laute Sprechchöre „Ta-ca! Ta-ca! Ta-ca!“. Nachdem wir dann endlich in Santiago de Chile den Erdboden berührt haben, war die Stimmung fast schon überschwenglich gut und alle Passagiere haben fröhlich gefeiert.
Tia, so kann man auch Stempel im Reisepass sammeln… Nun habe ich schon drei Südamerikanische Länder bereist.
Oh Lina Lu, beneidenswert, was du so alles erlebst…..
Selbst fliegen scheint ja in Südamerika ein Abenteuer zu sein!
War das aber nicht Ronald?
Aber gefaellt mir dein Suedamerika in der Luft…
Hallo Lina, ahora podrán tener siempre contactos en espanhol los que deseen , leer acerca de la vida en el sur de chile, hahahahaha
Suerte en tu proyecto
Hasta pronto
Edgardo