Archiv für September 2007

Navimag – 3 Nächte vom Pazifik in den Schlaf geschaukelt

Puerto Montt mit Blick auf Chiloe

Am MONTAG begann der Spaß! Sonne, Wind und eine vorfreudige Lina, die noch den letzten Kampf auf dem Festland antritt. Denn mein Koffer ist natürlich nicht MontagMORGEN angekommen! Kack Turbus! Naja, man beruhigt mich und sagt, er kommt um 14 Uhr – 14:30 Uhr soll ich bei Navimag einschecken und das Turbus-Charging-Center liegt natürlich am anderen Ende der Stadt! Bravissimo. Nagut, ich kündige Navimag vorsichtshalber an, dass ich etwas später komme und wandere also das zweite Mal zu Turbus. Koffer immer noch nicht da. Nun heißt es, er kommt um 15:30 Uhr!!! Um 16 Uhr legt die Fähre ab! Spastenvolk! Lina erprobt alle ihre spanischen Schimpfwörter, die sie schon gelernt hat und darf daraufhin mit dem Chef des Kackladens sprechen. Der hat natürlich auch keine Ahnung, warum der Koffer so lange unterwegs ist, aber wir einigen uns darauf, dass er sobald der Koffer auftaucht jemanden damit zum hafen schickt.

Puerto Montt Sonnenuntergang oben auf Deck Chao Montag!

16 Uhr, die Fähre legt ab, Koffer ist noch nicht aufgetaucht. 16:10 Uhr ruft das Navimagbüro aus Puerto Montt an „Der Koffer ist da!“ Ha ha ha! Nun wird mein Koffer eine Woche später als ich mit der nächsten Fähre nach Puerto Natales verschifft… (Und ich darf solange die „Wüstenkleidung“ in Patagonien testen. Badezeug hab ich dabei…. Man sagt, wir Europäer überleben ca. 30 min hier im Pazifik. Von den fast ausgestorbenen Einheimischen Indianern gibt es ein Volk, dass bis zu 2 Stunden im Wasser rumschwimmt. Sie zeihen mit ihren Kanus durch die Fjorde und Inseln und gehen nur an Land, wenn sie krank werden! Sie machen Feuer im Boot, die Mama rudert und der Papa jagt Fische und Seelöwen. Die Körperstatur ist daher auch ganz witzig: Sie haben alle ein breites Kreuz und ein Mann kann eine 100kg schwere Robbe ins Boot zeihen, aber da sie kaum laufen, haben alle ganz dünne Beinchen.

Nun zum eigentlich spannenden: „Boot“ fahren ist toll!! Zuerst ging es durch den Kanal zwischen Chiloe und dem Festland. Mit guten Wetter und sturmartigen Winden haben wir als erstes Highlight an Board erlebt: Sonnenuntergang überm Pazifik auf Steuerbord und beinahe Vollmond auf backbord mit romantischem Berg- und Fjordpanorama. Die „Puerto Eden“ ist eigentlich ein reines Transsportschiff, aber irgendwann wurde Platz für bis zu 200 Passagiere eingerichtet. Wir sind nur ca. 50 Personen und das ist sehr angenehm. Im Sommer mit noch mehr Leuten wird’s echt eng. Die erste Nacht verlief reibungslos, ein paar knallende Türen wegen dem starken Wind, aber ruhiges Wetter und kaum Wellengang.

blauer Himmel und Knubbelwolken

DIENSTAGNACHMITTAG ging’s dann los, raus auf den offenen Pazifik! Es fing gemütlich an mit leichtem Auf und Ab und wurde mit der Zeit dann aber doch etwas Magenbelastend. Rumlaufen war echt schwierig, wenn auch lustig, und ziemlich Übelkeit erzeugend, im Sofa hängen ging dagegen sehr gut. Zum Abendessen sind nur noch 10 Leute erschienen und es gab Spaghetti! Warum gibt es bei so einem Seegang so leckeres Essen???! Hmpf… einen Teller Spaghetti mit Parmesan konnte ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen. Danach zurück auf’s Sofa und „My big fat greek Wedding“ geschaut. Um 11 habe ich mich dann schwankenderweise hoch in die Kabine manövriert und es sammelte sich auch gleich verdächtig viel Speichel im Mund. Als mich die Kloschüssel jedoch ihrerseits fast angespuckt hat wegen dem Rumgequirle, hatte ich keine Lust mehr zu kotzen und bin einfach ins Bett gegangen. Wobei „einfach“ gar nicht so einfach ist bei einem Hochbett. Aber die cleveren Matrosen haben vorrausschauender Weise einen Griff an die Decke geschraubt. :) Liegend war alles fein. Ans Kopfende habe ich das Kissen gestopft, damit ich nicht dauernd mit dem Kopf gegen die Wand stoße und der Sinn der in die Ritzen gestopften Bettdecken ist nun auch klar. Man will ja nicht rückwärts aus dem schmalen Bettchen rollen! Ruhe gab es in dieser Nacht eigentlich gar nicht, da ständig irgendwo Metalltüren knallten, die Wände knarzten oder Sachen rumpolterten. Trotz mehr als 12 Stunden Achterbahn (um 5 Uhr morgens sollte der Spaß vorbei sein; keine Ahnung ich hab geschlafen!) konnte ich sehr gut einschlafen und bin ganz friedlich wie immer um 7 Uhr bei ruhiger und glatter See wach geworden. Halleluja! Sobrevivido!

Während der Pazifikkreuzung habe ich meinen ersten Albatros gesehen! Leider war ich unfähig Dinge wie ein Fernglas oder einen Fotoapparat zu benutzen, aber es war auch so schön. Die Vögel sind superschön und haben ganz schmale lange Flügel (Spannweite ca. 224cm) und schweben wie Patroullien neben dem Schiff her um die Winde zu nutzen.
Ich habe statt zu fotografieren ein kleines Schwätzchen mit dem Kapitän auf der Brücke gehalten und versucht herauszufinden wie er ohne zu schwanken rumlaufen kann. Faszinierend. Er hat berichtet, dass man in diesen Gewässern manchmal auch Delphine, Orcas (der größte Delphin) und Blauwale sehen kann.

MITTWOCH war ein ruhiger und entspannter Tag. Wir sind zwischen Inseln herumgekurvt und haben in Puerto Eden gehalten. Ein kleines einsames Dorf auf einer Insel inmitten von garnichts! Am Abend gab es Bingo und eine kleine Party.

trübe Fjorde und Inselchen Partybingo mit der original verschwommen “Scharfsicht” el comedor - die Futterstelle

DONNERSTAG wollten wir eigentlich mittags in Puerto Natales anlegen. Nachdem wir die engste Stelle von nicht mehr als 80m Breite (das Schiff ist 22m breit) gut überstanden haben, sind wir recht pünktlich bei Puerto Natales angelangt, aber bei 45 Knoten (über 80km/h?) und mehr an Windgeschwindigkeit war es zu gefährlich am Pier einzulaufen. Der Wind ist wirklich heftig, ich war oben auf Deck und konnte mich komplett dagegen lehnen! Hammer! Ein bißchen wie fliegen.
So saßen wir erstmal fest – mit Ausblick auf die schönen kleinen bunten Häuschen der Stadt zum Greifen nahe. Andrea, unser Guide, meinte, es könnte im schlimmsten Fall drei Tage dauern bis das Wetter besser wird! Schnarch…
Wir hatten Glück und konnten nach dem Abendessen (Spaghetti!!!) auf dem Schiff um 20 Uhr an Land gehen.

Puerto natales mit dem “Hügel Dorothea” der Anker fällt! Angekommen!

Ab in den Süden… (mit Haribo und Kunstmann)

Mienenarbeiter in der Wüstenhitze (Wandgemälde in IQQ)

Das klappt wie am Schnürchen bis jetzt: Nachdem die schrecklich langweilige Woche des „Dia Patria“ (Nationalfeiertag) überstanden ist bin ich am Freitag in Iquique ins Flugzeug gestiegen und ruckzuck nach Santiago gehoppt. Dort wollte ich eigentlich nur meinen Koffer abholen, wurde aber spontan am Samstag noch zu Louis Geburtstagsfeier auf die Hazienda Los Linuges eingeldaen. Das war sehr lustig und es gab wieder mal ne ganze Metzertheke voll von Gegrilltem plus den obligatorischen chilenischen Salat (Tomate und Zwiebeln). Die Geburtstagsfeier war eine einzige Verwirrung für mich, weil plötzlich all die Leute bei denen ich mal gewohnt habe oder zu Besuch war auf einem Haufen da waren und ich ein bichen gebraucht habe, um sie alle richtig zuzuordnen. War aber witzig und ich hab schon wieder zwei neue Visitenkarten, von Leuten, die jemanden im Süden in Puerto natales kennen oder in Puerto varas oder wo auch immer… Dieses Land hat einfach zu wenig Einwohner! Die kennen sich fast alle persönlich untereinander! Ahhhh…

Die Geburtstagsfeier war jedenfalls schön und ich hab mich gefreut, dass ich der Ingrata mal wieder in die Nase zwicken konnte. Sie ist „neckisch“ wie immer und das erste, was ich von ihr gesehen habe, war wie sie grad ihre „Weidenmitbegraser“ mit zurückgelegten Ohren von ihrem Futterplatz verjagt hat! Typisch.
Gut gut… (kleines Andenken an Prof. Teipel „Gut gut… bla bla“), Sonntagfrüh (=heute) bin ich dann wieder ein Stückchen weitergehoppt und von Santiago nach Puerto Montt geflogen. Puerto Montt ist der letzte Hafen vor der „großen Einöde“ (chilen. Dschungel und Fjordlandschaft) und vor Patagonien. Ab hier gibt es keine Straßen mehr auf chilenischer Seite, die weiter in den Süden führen. Wenn man mit dem Bus nach Punta Arenas will, fährt man durch Argentinien und ist 33 Stunden unterwegs….

Ich habe mich für den Wasserweg entschieden und werde morgen auf die Navimag-Fähre verfrachtet. Wen es interessiert: www.navimag.cl bietet auch eine Routenbeschreibung in Deutsch! Bis jetzt ist hier sehr gutes, schönes und sonniges Wetter und ich hoffe, das bleibt auch so! Schlielich muss ich drei Nächte auf dem Kahn verbringen… Vielleicht sollt ich nochmal in die Apotheke und nach Reisetabletten fragen? Hm, oder ich geh in den Supermarkt und kaufe mir eine Flasche Wein. :D He he he… dann kann ich wenigstens sagen, mir ist vom trinken schlecht.
Hier in Chile ist übrigens grad der Käse viel teurer als der Wein. Eine reine Dreistigkeit! Für 314gr Gruyere bspw. Habe ich soeben mehr als 3 Euros gezahlt. Puh… da bleib ich doch bei Wein pur! Ha ha… Ohhhh und meine tollste Entdeckung heute war eine Tüte HARIBO COLORADO! Wobei Tüte 100g heißt und die war auch mal gar nicht billig. Grrrm… Menü a la Lina, war dann soeben: ein Kunstmann („Das gute Bier“) und Haribo! Mhhhhhh!

Dumdidum… ich freu mich schon auf Patagonien!!! Tamtatam… Was mach ich denn jetzt nur? Vielleicht find ich noch einen leckeren Fischsnak. Schlielich bin ich hier in ‘ner Hafenstadt. Und ich bin ja schon so gespannt auf die Fähre morgen!!! Allerdings brauch ich glaub ich tatsächlich für die 500m zum Pier ein Taxi. Mit zwei Rucksäcken, Koffer, Kamera und Proviantkiste brech ich sonst zusammen.

Ups, und apropo Koffer, den habe ich nämlich mit nem Bus hier runter geschickt von Santiago aus.Hoffentlich ist der angekommen. Das war nämlich deutlich billiger (und ist hier auch ganz üblich) als die Übergepäckkilos für den Inlandflug! Hach ja, hab ich schon gesagt, dass drei von meinen vier Hosen grad mehr Löcher als Stoff haben…. Ich hasse Hosen kaufen! Erst recht in einem Land, wo nur kleine Stöpsel mit Winzlingsfüßen (3 Nummern unter meiner Schuhgröße hörts hier auf!) rumlaufen!!! Maaamaaaa! :D

Morgen geht’s aufs Booo – hoooot!!! Yupp yupp yupp ahoi!

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