Archiv für Oktober 2007

Sensationelle Briefe und Pumaspuren

Danke Toni!! Deine Briefe sind spitze!! Sie reisen ja auch nicht nur um die halbe Welt, sondern auch noch durch drei Generationen!!! :) Ich kann mich jedenfalls immer herrlich beim Lesen amüsieren. Ich bemüh mich auch und schreib Dir ganz bald zurück.

Sooo, das war die erste Sensation, schließlich bekommt man nicht alle Tage so amüsante Briefe von einer betagten aber immer noch rüstigen Dame. ;) Da wird die alte Schreibmaschine aus dem Keller geholt und klack klack klack klack schrrrt ting flitzt das Papier um die Walze. Das Papier ist übrigens original feines dünnes Luftpostpapier und wird natürlich auch in den original hübschen blauen Luftpost-Umschlägen versandt. Ein Klassiker.
lustige Post!
Nun die zweite Sensation: Ich habe Pumaspuren gesehen!! Letzten Samstag war ich mit Carolina auf der Dorothea wandern und oben an der Kliffkante im frisch weichgeregneten Boden haben wir tatsächlich die Pfotenabdrücke eines Pumas entdeckt. Aufgrund der beschränkten Platzbegebenheiten (links Kliff, rechts Urwald) sind wir der Fährte ein Stück gefolgt. Zum Glück/Pech – man weiß es nicht – sind wir dem Puma aber nicht persönlich begegnet und haben ihn auch nicht gesehen – wer weiß, ob er uns vielleicht gesehen hat??? Spannend war es jedenfalls und schön sowiso… Der Ausblick von der Dorotea ist „maravioso“ mit Blick auf die Berge, die Bucht von Natales mit dem blauen Ozean und den gelbgrünen Wiesen… supi! Noch dazu haben uns drei Kondore am Kliff eine Flugschow sondergleichen geboten. Tolle Tiere! (Und natürlich hatte wieder keiner eine Kamera dabei…)

Und apropo Flugschow, das mit den Vögeln hier in Patagonien ist eh ganz unglaublich. Nicht nur das es die verschiedensten schönen Arten gibt. Viel faszinierender finde ich wie die kleinen leichten Dinger bei Windgeschwindigkeiten von über 140km/h noch in der Luft navigieren können!!!! Wenn ich Flügel hätte, würde ich vermutlich ruckzuck irgendwo an einem Lattenzaun kleben oder so… Heut hab ich einen Spatz gesehen, der ist mit angelegten Flügeln geflogen bzw. er hat sie immer nur ganz kurz ausgefahren um irgendwie seine Lage zu verändern, ansonsten ist er kamikazemäßig mit Highspeed durch den Himmel gesaust…. cool! Und ich muss mir schon Mühe geben geradeaus zu laufen, wenn der Wind von der Seite kommt. Der Wind ist der Hammer hier!

Heute hat man mich noch gefragt, ob ich ehrenamtlich an einem Kletterprogramm für Kinder mitarbeiten will. Schade eigentlich, aber morgen fahr ich wieder Richtung Norden… mööp. Das Problem hier ist nämlich, es gibt die tollsten Felsen zu klettern, aber es gibt keine Schule und kaum Möglichkeiten klettertüchtigen Nachwuchs zu trainieren. Ganz klarer Fall: Es fehlt ein „ROCKS“!! :)

der schottische ChileneStuuuurrrmalle Hunde fliegen hoooooch…

Ich wohne gerade in einem lustigen kleinen Hostel namens „Casa Lili“. Die Eigentümer sind junge Chilenen und es ist eigentlich eher wie eine Studenten-WG dort. Wir sitzen oft in der Küche und labern Grütze oder machen eine Panceque oder Hot-Dog-Party! Dazwischen wuseln ein dummer ChowChow und die wackeldackelige Luna herum. Seit gestern abend gibt es auch noch einen Welpen, den irgendwer von irgendwo mitgebracht hat ??? Dem kleinen Häufchen werden die ganze Zeit Irokesen-Frisuren gemacht….

Cabalgata al paso Samora

Llero und Lina erobern Patagonia salvaje

Immer noch überwältigt von der Farbenpracht Patagoniens mit seinen hellblauen milchigen Seen, den grün-gelben Steppen im Vordergrund eingerahmt von schneebedeckten grauschwarzen Bergketten, habe ich beschlossen das Ganze nochmal „pur“ zu genießen und mich für zwei Tage jeglicher Zivilisation zu entziehen.

Um 8:30 Uhr hat mich deshalb Luciano mit einem Taxi abgeholt und wir sind rausgefahren zur Estancia „Largo Roca“. Hier begann unser Ausflug in die Wildnis wie üblich erstmal mit dem Pferdeeinfangen… Als zahlender Touri durfte ich mich jedoch ganz gemütlich übern Zaun hängen und habe derweil den „König der Anden“, einen Kondor am Himmel beobachtet. Gegen Mittag waren dann endlich drei Pferde gefangen und bepackt und es ging los.

pollitosesctancia lago rocadas Pferd von Luciano von dem ich den Namen vergaß..

Mit dunklen grauen Wolken (die „Eisfabrik“) zu unserer Rechten sind wir schnell der Sonne hinterher ins Nachbartal geritten, wo wir eine Herde Guanacos aufgescheucht haben. Weit und breit kein Mensch und keine Zivilisation zu sehen – herrlich! Nach ca. 2,5 Std haben wir an einem kleinen wilden Bächlein Mittagspause gemacht und leckeres Sandwich mit einem argentinischen Merlot (serviert auf roter Tischdecke) genossen. Nach einem kleinen Nickerchen in der Sonne sind wir weiter durch das ehemalige Gletschertal Richtung chilenische Grenze gezogen. Trotz der Berge hat man hier immer einen unglaublichen Ausblick und die Landschaft erwstreckt sich in sanften Wellen bis zum Horizont. (Jetzt weiß ich, warum Männer immer von weichen, schönen Rundungen träumen – Patagonien!! Obvio!)

Llero, ich und Willyein grüner Vulkanbosque de Nirelunchtimeunsere lunchlaguneLleeeeroooo

Nach weiteren drei Stunden sind wir an einer kleinen Hütte angekommen – dem letzten (und einzigen) argentinischen Refugio vor der Grenze. MItten im Nirgendwo haben wir also unser Lager in der Bretterbude aufgeschlagen und dank dem „Techo“ (ein rostiger tonnenförmiger 28-Jahre-alter Ofen) gab es sogar eine excuisine Küche: Guizo de Lentejas! Supergeil!
Man nehme 4 Knoblauchzehen, Zwiebeln, Speckwürfel, Chorizo colorado (ähnlich wie Salami), Kartoffeln, Camote (Süßkartoffel), Kürbis, Fleisch (Rind? Schaf?), Tomatensoße, Oregano, Salz und einen großen Topf!!! Mmhhhhh… der leckerste Eintopf in ganz Südamerika!

Guizo Icarne y zapalloGuizo IIGuizo III FERTIG!! Lecker!da guckt auch der Willy interessiert!desayuno

Mit kugelrunden Bäuchen und erholungsbedürftig haben wir uns auch schon um 21 uhr auf die Matratzen gehauen und tatsächlich fast 11 Stunden durchgeratzt! Das tat gut! Mit dem Ofen war es auch schön warm und von Mäusen hab ich nichts gemerkt. hab gut geschlafen. :) Zum Frühstück gab’s frisch geröstetes Weißbrotbaguette mit „Dulce de Leche“ und lecker Milchkaffee.

gutes Wetter auf dem Hinweghier gabs mal einen Waldbrand und nun ist ein Baumfriedhof..das refugio)unser hüttchendas Klo! plumps!auf dem Rückwegzurück in der Eisfrabik

Irgendwann später find Willy dann an rumzuwiehern und hat sich beschwert, dass er woanders zum fressen angebunden ist als die anderen zwei Pferde…. ein launisches Pferd! Dann haben wir angefangen ihn zu beladen und er konnt’s kaum noch erwarten loszutraben und hat Llero immer am Hintern gestupst!!!

Mit ein paar Regentropfen, Wind und eher ungemütlichem Wetter sind wir dann über einen kleinen Kamm zurück geritten und wegen der Schneeschmelze standen alle Wiesen völlig unter Wasser. Mein liebes Pferd Llero (gespr.: Dschero) wollte das gleich mal für ein Bad nutzen (Obwohl er eigentlich Wasser gar nicht so mag und immer versucht um alle Schneeflecken und Pfützen herumzulaufen!) und hat sich plötzlich (mit mir obendrauf) einfach hingelegt. Ahhh… ich bin dann mal ganz gemütlich abgestiegen… hi hi Das Problem war wohl, dass erstens das Pferd eh schon schlechte Laune wegen dem ganzen Wasser hatte und zweitens der Sattelgurt ein bißchen zu straff und zu weit unterm Bauch saß. Ja ja, so ein Pferd hat auch seine Ansprüche. Okidoki, nach dem Beihnahe-Bad für mich und dem Zurechtrücken der Montura ging’s gemütlich weiter. Plitsch platsch plitsch platsch… norf, blöder Regen. Nach Überquerung von zig kleinen Sturzbächen (auch mal springenderweise, damits ja keine nassen Hufe gibt..) und der Durchquerung von kleinen Schneefeldern und großen Matschwiesen, hat endlich wieder die Sonne geschienen. Das hat die Laune von Llero gleich ein verbessert und als wir dann mal die Führung übernommen haben, da standen die Öhrchen wieder fröhlich senkrecht und hingen nicht so nörgelig zur Seite! Hi hi.. unterwegs konnten wir noch einen schönen Adler (Mota?) ganz aus der Nähe beobachten. Dann haben wir eine Herde Kühe verscheucht und sind am Kuhkadaver vorbei über eine Wiese bis zur Estancia gallopst! Yippieh! Was ein Wiedersehensgewieher!

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