geschrieben Samstagmorgen:
Gestrandet in Puerto Natales und gleich von den orkanstarken Windböen Patagoniens in Empfang genommen, geht es mir gut und ich bin dabei eine Cabaña als neues heimeliches zu hause einzurichten. Die Cabaña wurde erst vor einem Jahr gebaut und liegt etwa 4km ausserhalb des Zentrums von Puerto Natales an der Ruta 9 (Strasse nach Punta Arenas).
Es gibt zwei Schlafzimmer (Michael, der zweite Praktikant zieht Ende der Woche ein), eine Küche, einen Wohnraum mit Esstisch und ein kleines Bad. Für chilenische Verhältnisse ist das schon fast eine Villa. Vor allem weil wir hier nur zu zweit wohnen und nicht mit 5 Kindern, zwei Omis und Opis und noch drei Tanten. ;D
Mein Nachbar und Vermieter ist ein Ex-Carabiñero und hat einen zotteligen Windhund vor seinem Haus angekettet. Ich fühle mich bis jetzt ausreichend beschützt. José ist ein netter Kerl und ich glaube, wir werden sehr gut miteinander auskommen. Er hat mich schonmal morgens in die Stadt chauffiert und auch angeboten, dass wir am Wochenende die Nachbarn besuchen und vielleicht einen kleinen Ausritt organisieren können. Supi!
Ja ja ja, ich hab nämlich nicht nur einen tollen Ausblick mit Bergpanorama, sondern auch ein paar nette „Haustiere“ rund ums Haus. Hinterm Haus auf der großen Wiese läuft ein Pferd rum, das mich bisher allerdings eher skeptisch betrachtet und dann wurde ich schon als Kuschelobjekt von zwei Katzen, die hier rumlaufen entdeckt. Ui… gerade grast das lustige Pferd direkt vor meinem Wohnzimmerfenster. Oh und wie ich sehe gibt es auch eine schwarze Kuh auf der gleichen Wiese, die ist wohl aus ihrer Herde ausgebüchst.
Meine elektronische Ausrüstung hier im Haus ist sehr sparsam und besteht neben meinem Laptop eigentlich nur aus einem kleinen Radiowecker, der mir den ganzen Tag mit Cumbia und Rumba Stimmung in der Bude macht. Hi hi… hatte ich schon erzählt, dass ich am Mittwochabend noch Tanzunterricht auf der Navimag-Fähre hatte? Das war lustig. Ein bißchen Cumbia und Rumba bringe ich nun fertig, wobei ich immer das Gefühl habe mir dabei die Beine zu verknoten. Aber zurück zum Haus: Ich lebe also fast frei von Elektrosmog und den einzigen Lärm den es hier gibt, ist das Geklapper und Gerausche, das der Wind (vorzugsweise abends) veranstaltet.
Die Wände innen sind noch ziemlich kahl und weder gestrichen noch tapeziert. Ich persönlich finde die „Spanplattenoptik“ aber ganz gemütlich, Holzoptik eben! Es gibt warmes Wasser und einen riesen Kühlschrank, mein Zimmer hat dunkelblauen Teppich ansonsten dominiert ein klassisches Schachbrett-Lenoleum.
Im Büro von Moseractive habe ich Interntzugang und werde Euch also von Zeit zu Zeit mit neuen Geschichten und Berichten versorgen können.
Nicht böse sein, wenn ich nicht täglich meine Mailbox abrufe. Ich bin eben in der „Ultima Esperanza“ (letzte Hoffnung), so heißt die Region hier und Puerto Natales mit ca. 18.000 Einwohnern ist ihre Hauptstadt. Weiter südlich kommt nur noch die Region Magellanes mit der Hauptstadt Punta Arenas (125.000 Einw.) und die Islas Navarinos sowie Kap Horn – al fin del mundo.
Ergänzung, Samstagabend, 21:05 Uhr
Die Nachbarschaft funktioniert! Vorhin hat mich José besucht und gefragt, ob ich ihm helfen kann seinen alten Mercedes aus der Pampa zu holen. Mit seinem Jeep haben wir überbrückt und da das Auto aber nach 5m immer wieder ausging, durfte ich ihn mit einem erstaunlich dünnen Schnürchen nach Hause schleppen. Es war nicht wirklich weit, vielleicht 800m, und es hat alles gut geklappt. Desweiteren hat er mir angeboten, dass ich sein Fahrrad ausleihen kann, wenn ich ein bißchen mobiler sein möchte. Supi! Wenn’s Sonntag nicht so windig ist, nehm ich das gleich mal in Anspruch.
Daheim kam er dann plötzlich mit einem kleinen Fehrseher um die Ecke. Nun bin ich doch nicht mehr so abgeschieden von der Welt und kann auf zwei Programmen Nachrichten und die schrecklichen chilenischen DailySoaps gucken.
In der Stadt hab ich eine kostenlose Zeitung aufgegriffen, „Black Sheep – Patagonia’s monthly Travel newspaper“. Sie enthält Artikel in Englisch, Spanisch, Deutsch und Französisch mit Infos über Busverbindungen, den Torres-Park und Ereignisse hier in der Gegend. Wunderbar.
Ergänzung, Montag, 18:00 Uhr:
Am Sonntag habe ich noch einen kleinen Fahrradausflug mit dem “Bike” von José gemacht. Bin aber nicht weit gekommen, dann war’s zu langweilig. Endlose Strasse in die eine oder andere Richtung… Eigentlich wollte ich auf “Dorothea” herumwandern, hab aber den Eingangsweg nicht gefunden. Grmpf.. nächstes Wochenende. Angeblich soll man dort auch klettern können! Yuppi! Beim Radeln auf dem viel zu kleinen Fahrrad und ohne funktionierende Bremsen (der Wind hat eh genug gebremst), bin ich dann einem patagonischen Riesenpferd begegnet! Wuff ist das stämmig! Siehe Bilder.
Die beste Geschichte hat mir jedoch mein Nachbar später bei einer Rundfahrt durch die Umgebung von Puerto Natales erzählt: Hier werden manchmal die Schafe (Patagonien ist seit schlagmichtot irgendwann (ich werde recherchieren) Experte für Schafhaltung udn Wollproduktion) von dem starken Wind umgeweht und liegen dann mit allen vier Beinen gen Himmel gestreckt auf der Weide und können sich nicht mehr aufrappeln. hi hi hi… ich glaub, wenn ich jemals an so einem Scjaf vorbeikomme sterbe ich vor lachen. Gemein ist allerdings, dass diese präkere Situation einige Raubvögel ausnutzen und den armen Schafen die Augen auspicken. That’s life! Ich hoffe, ich liege niemals hilflos auf dem Rücken in Patagonien rum und wenn dann nur mit Sonnenbrille! ![]()