Archiv für 11. Oktober 2007

Wandern bis der Gletscher kalbt… (Torres del Paine National Parque)

der Markus vor dem Holzstapel

Bei einem spektakulären rotglühenden Sonnenaufgang haben Markus und ich sonntagfrüh um 7:00 unsere Cabaña verlassen. Mit dem Gomez Bus ging es ca. 2,5 Stunden durch die Pampa bis wir den Parkeingang an der Laguna Amarga erreichten. Hier mussten wir den Eintritt von sageundschreibe 15.000 Pesos (~20€) bezahlen und wurden dann mit einem Shuttel zum Campingplatz „Las Torres“ gefahren. Unterwegs konnten wir vom Bus aus schon viele lustige Tiere wie Nandús, Guanacos, Caracaras, dicke wollige Schafe (Besonders niedlich wenn sie erschrocken wie ein Wollknäul mit vier Beinen vorm Bus wegsprinten!), Magellan-Gänse und ein paar kleine Vögel sehen. Auch den größten und beindruckensten Luftbewohner der Andenwelt, den Kondor, durften wir an der Laguna Amarga bestaunen. Wow, das war schonmal kein schlechter Anfang noch dazu mit einem Bombenwetter! Kein Wind, pure Sonne und trocken – was will man mehr.

Sonnenaufgang vor der Cabana

Nach dem Zeltaufbau und einer kurzen Orientierungsphase im Campartemento „Las Torres“ haben wir gleich wieder unsere Rucksäcke geschnappt und uns um 11:30 auf den Weg zur schwersten Etappe unserer Route gemacht, die Erklimmung des Mirador „Base Las Torres“.
Kurz zur Erläuterung: Wir sind das bekannte „W“ im Süden des Nationalparks abgelaufen, wobei man in drei Täler hochläuft welche am Fuße der Berge miteinander verbunden sind, daher die W-Form. Am besten ihr schaut euch mal eine Karte unter www.torresdelpaine.com an.
Jedenfalls haben wir an unserem ersten Tag gleich mal ca.900 Höhenmeter auf 9,5km im Anstieg und danach das gleiche wieder im Abstieg bewältigt. (Man geht den gleichen Weg zum Zeltplatz zurück.) Als Belohnung gab es oben am Mirador „Base Las Torres“ einen genialen, wolkenfreien, selten so guten Ausblick auf das Wahrzeichen des Parks: die drei spitzen Türme (Torres del Paine). Gegen 18:50 waren wir zurück und sind nach einer Portion Nudeln mit Brühe nur noch schnell in den Schlafsack gehuscht bevor es frostig kalt wurde.

los torres del paine Geröllfeld am Lago Nordensdingsda… diesmal mit Bäumchen Markus faulenzt! )

Am zweiten Tag sind wir nach dem fast 8-Stunden-Marsch vom Vortag nur langsam in Gang gekommen und haben erst um 10 Uhr mit Sack und Pack den Weg zum Campamento Italiano (16,5km mit gnädigen 300 Höhenmetern im An- und Abstieg) eingeschlagen. Auf dieser Strecke läuft man einen sehr schönen Weg entlang des Lagos Nordenskjölk (benannt nach einem finnischen Wissenschaftler) und umrundet den massigen Almirante Nieto (2640m.s.n.m.). Die Aussicht ist sagenhaft, auf der einen Seite der eisblaue See auf der anderen gefrorene Bergspitzen und zwischendrin ein bißchen Grün. :) Um 17 Uhr treffen wir in dem kleinen Wäldchen am Ufer des Rio del Francés ein, wo wir unser zweites Nachtlager aufschlagen. Außer uns gab es nur noch ein einziges anderes Zelt mit drei Amerikanern, die sich anscheinend etwas gezofft haben. Jedenfalls hat einer von ihnen ständig Sachen durch die Gegend gekickt. Hi hi… shit happens.

die cuernos nochmal von ihrer schönsten seite der Fotograf bei der Arbeit ein kahler Baumstumpf Paine Grande blau blau blauer Himmel…

Etwas motivierter, aber immer noch mit schweren Beinen sind wir am nächsten Tag in 2 Stunden bis zum Campartemento Britanico aufgestiegen (5,5km 400 Höhenmeter rauf), wobei wir zu unserer Linken (im Westen) mehrfach Lawinenabgänge am gigantischen Paine Grande hören und sehen konnten sowie zu unserer Rechten (im Westen) die drei Cuernos (2200-2600 m.s.n.m.) mit ihren schwarzen zackigen Hauben bestaunen durften. Der Weg führte auch über ein großes Geröllfeld, wo ich mindestens zehn Danksagungen an den Erfinder der Trekkingstöcke ausgesprochen habe. Mein tolles Fussgelenk (der schlappe Heini links) fand die ganzen unebenen und wackeligen Steine nämlich gar nicht mehr witzig und so ging es bergab ein bißchen gemütlicher über Stock und Stein. Naja, hab’s überlebt. Meine Beine fühlten sich inzwischen an wie aus Ebenholz geschnitzt, ha ha, was sie aber leider nicht wirklich sind. :D
Mittags nach dem Zeltabbau mussten wir dann mit dem gesamten Gepäck nochmal 7,6km bis zum Refugio Paine Grande am Ufer des Lagos Peohé zurücklegen (2,5 Std). Leider gab es auch auf diesem Campingplatz trotz einer saftigen Platzgebühr von 3500 Pesos (~ 5 €) pro Person keine warme Dusche. Es blieb also bei Katzenwäsche… Ein reiner Segen war jedoch die angebrochene Spaghettitüte, die wir in der Küche gefunden haben. Yuchuuu, endlich richtige Pasta!!! (Aufgrund eines Missverständnisses bei der Proviantplanung – ich nehme die Schuld auf mich! -, lag nämlich unser Packet Nudeln für die „Pasta-Party im Paine“ noch in der Cabaña in Puerto Natales. Grmpf… es gab also mehr trockene Semmeln mit hartgefrorener Schoki! Hi hi Mit Freuden haben wir uns die wenigen Spaghetti mit Markus restlichen Suppennudeln zusammen und garniert mit ein paar Kräutern und dem letzten Rest Gruyere-Käse in unserem „Open-Air-Restaurant am See mit Bergpanorama“ schmecken lassen.

Mitwoch, am vierten und letzten Tag, sind wir frisch-gefrostet (Das Körpergefühl ist vergleichbar mit einem kalten zähen Kaugummi, das versucht sich zu strecken ohne zu zerreißen.) morgens aus dem Zelt geschlüpft (Mein Linsenwasser war erstmalig gefroren!!!) und haben ruck zuck die letzte Etappe auf unserer W-Exkursion „erledigt“. In flottem Schritt ging es 90min durch nur leicht an- und absteigendes Gelände (ähnlich wie am zweiten Tag) an der Ostküste des Lago Grey entlang. Und nach einer Stunde schwammen bereits einzelne Eisstücke auf dem See zu unserer Linken. Nachdem die Spannung beim Erklimmen jeden weiteren Hügels schon fast unerträglich war, haben wir endlich den Mirador „Sendero Grey“ erreicht. Unten aus dem See leuchtete uns ein blauschimmernder schwimmender Eisberg entgegen und in der Ferne erstreckte sich der breite weiße Greygletscher. Wow! Nach einem weiteren Schokoladenbrötchen und den letzten drei Gummibärchen, sowie den obligatorischen Ich-war-da-Fotos sind wir zurück zum Refugio gesprintet, wo uns um 12:30 Uhr ein Catamaran erwartete, der uns über den See zu unserem altbekannten Gomez-Bus brachte.

der Grey Gletscher eine Eisscholle

Als Resüme meiner ersten „W“-Wanderung im Nationalpark Torres del Paine kann ich nur sagen: Es waren vier super Tage mit fantastischem und eigentlich Patagonien-ungewähnlichem Wetter (Viel zu gut! pure Sonne, KEIN Wind, kein Regen, akzeptable Nachttemperaturen) und unbezahlbaren Ausblicken in ein wunderschönes Stück Natur unserer Erde. Wir haben die Wanderung von Ost nach West gemacht und somit schwer angefangen und leicht aufgehört, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Zu der Fauna und Flora lässt sich sagen, dass man zumindest was die Tiere betrifft am meisten vom Bus aus gesehen hat, da man dort durch die Steppenlandschaft fährt. Auf dem „W“ haben wir ansonsten nur noch ein paar Vögel (Condor, Morgenammer, Magellan-Gänse, Drosseln, Magellan-Ämmerling, Schwalben etc) gesehen. An „Grünzeugs“ gibt es genug und nähere Details erspar ich euch (und mir) jetzt mal. Vielleicht komme ich in den nächsten Tagen dazu und lege mal eine kleine Torres-Datei mit Tieren, Pflanzen, Bergen und weiteren Infos an. Vamos a verlo!

letztes Berg-Holzstapeö-Panorama (mit Markus dem Piraten) blauer Gletschersee

Zu Hause in der Cabaña gab es endlich wieder eine warme Dusche und eine ganze Tüte Nudeln mit Tomatensoße. Markus hatte eine kleine Hungerattacke (Vielleicht aufgrund der fehelenden Pastaparty im Park?) und alles Essbare ergriffen und verschlungen, was er in der Küche finden konnte. Haferflocken, Brötchen mit Käse… hi hi (Nich böse sein, Markus, aber das war einfach so lustig wie du hungrig in der Küche rumgewuselt hast!)

Nun wollen wir mal schauen wie es hier weitergeht in Patagonien.

ein wüstes Wohnzimmerpanorama

PS: der aufmerksame Leser erinnert sich daran, dass ich die spanische Abkürzung m.s.n.m. (metros sobre nivel del mar) schon mal verwendet habe. Hi hi ;D
Ach ja und der Markus ist Fotograf, die “schönen” Bilder müsst ihr also auf seinem Blog suchen!!! Sofern er überhaupt dazu kommt Fotos hochzuladen. ;)


~ Wolfssocke ~

estoy en casa.. en mi estupido pais. :) hace frio aqui, brrrr. extrano mucho la playa en Vina del Mar!!! Y más hecho de menos "mi buque" y mis amigis. :( Quizas volveré en las vacaciones de Navidad! Surpresa... vamos a ver

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