Nach Regen kommt Sonne, so würde eine freie Übersetzung lauten. Nach der letzten turbulenten und emotionalen Woche (Insider wissen bescheid, der Rest der Welt schaut sich einfach einen schlechten Hollywoodfilm an) und einem Jahr Winter (erst in Deutschland, dann in Chile), freue ich mich sehr über ein bisschen Sommersonne! (Und wenn’s auch unterm Ozonloch ist..)
Am Sonntag gab es hier in Puerto Natales ein Autorennen „Las tres horas de Natales“. Das war cool, vor allem weil die Cabaña direkt an der Rennstrecke liegt und es schon Samstag ständig eine Geräuschkulisse gab wie wenn im Nebenzimmer jemand mit ´ner Bohrmaschine hantiert. Gewonnen hat das Rennen allerdings ein Argentinier… genauso wie die Fussballpartie zwischen Chile und Argentinien am Samstag. Tia, das üben wir dann nochmal.
Der arme Streckenposten mit der grünen Fahne hat bestimmt ordentlich Muskelkater im Arm. Es ging ganz schön Wind! Ich bin letztens mit zwei Einkaufstüten heimgelaufen und da hat mir nach ner Weile ganz schön der Arm gebrannt, weil der doofe Wind immer die Tüte gegen mein Bein gepustet hat. Wir haben also um das zu verhindern alle Muskeln in Schulter und Arm trainiert, die für die Abduktion verantwortlich sind: M. deltoideus, das Caput longum des Biceps brachii, der Pars sternalis des pectoralis mayor, M. supraspinatis und den M. infraspinatus … ja ja das Muskeltestat war schon schön! Hi hi, ein bißchen freu ich mich tatsächlich schon wieder auf’s studieren.
Das Wetter hier ist nach wie vor sehr „patagonisch“. Trotz Anzeichen für einen „ganz normalen Sommer“ (wie zum Beispiel der tolle gelbe Löwenzahn), kann man hier alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Die Durchschnittstemperatur liegt bei ca. 12° (geschätzt – hab kein Thermometer). Laut Internet sind es in Santiago bereits 27°!
Mittwochmorgen bin ich bei Schneeregen und Eiswind in die Stadt gelatscht – 10 Minuten später gab’s blauen Himmel und Sonnenschein (siehe Fotos). Witzig ist das hier… und ab und zu kreuzt auch mal ein Stinktier die Strasse!!!
Trotz dem ganzen Chaos gefällt es mir nach wie vor gut hier und gerade jetzt bin ich wieder völlig fasziniert von der Hilfsbereitschaft der Chilenen. (Warum sind in Deutschland so viele Menschen stieselig und egoistisch, bürokratisch, unfreundlich was auch immer?) Nicht, dass man in 5 Monaten doch auch ein paar gute Freunde findet, aber da sagt man nur einen Pieps und innerhalb eines Tages werden einem gleich fünf neue Arbeitsangebote/-kontakte in allen Teilen des Landes zugesandt… Ich sage ja: hier kennt jeder jeden – sind ja auch nur 16 Millionen Einwohner.
Ich bin gespannt, was jetzt die nächsten zwei Wochen ergeben. Sorgen braucht ihr euch jedenfalls nicht um mich, denn erstens gibt’s auch ohne Arbeit genug anzuschauen (Pinguine), zu machen (mit’m Kayak auf den Gletschersee oder Gletscherwandern), zu tun (Unterkünfte finde ich inzwischen auch unterm Touripreis!) und zweitens sind hier alle, die ich kenne, sehr besorgt um mich, so dass es schon fast wieder lästig ist. Chile ist ein feines Land…
Heute kommt wieder die Navimag und wirft neue Touris an Land. Vielleicht suche ich mir mal eine schnike Tourikneipe und betreibe interkulturelle Konversation.
Hasta pronto!
Besos y abrazos por todos.

