Archiv für 24. Oktober 2007

Cabalgata al paso Samora

Llero und Lina erobern Patagonia salvaje

Immer noch überwältigt von der Farbenpracht Patagoniens mit seinen hellblauen milchigen Seen, den grün-gelben Steppen im Vordergrund eingerahmt von schneebedeckten grauschwarzen Bergketten, habe ich beschlossen das Ganze nochmal „pur“ zu genießen und mich für zwei Tage jeglicher Zivilisation zu entziehen.

Um 8:30 Uhr hat mich deshalb Luciano mit einem Taxi abgeholt und wir sind rausgefahren zur Estancia „Largo Roca“. Hier begann unser Ausflug in die Wildnis wie üblich erstmal mit dem Pferdeeinfangen… Als zahlender Touri durfte ich mich jedoch ganz gemütlich übern Zaun hängen und habe derweil den „König der Anden“, einen Kondor am Himmel beobachtet. Gegen Mittag waren dann endlich drei Pferde gefangen und bepackt und es ging los.

pollitosesctancia lago rocadas Pferd von Luciano von dem ich den Namen vergaß..

Mit dunklen grauen Wolken (die „Eisfabrik“) zu unserer Rechten sind wir schnell der Sonne hinterher ins Nachbartal geritten, wo wir eine Herde Guanacos aufgescheucht haben. Weit und breit kein Mensch und keine Zivilisation zu sehen – herrlich! Nach ca. 2,5 Std haben wir an einem kleinen wilden Bächlein Mittagspause gemacht und leckeres Sandwich mit einem argentinischen Merlot (serviert auf roter Tischdecke) genossen. Nach einem kleinen Nickerchen in der Sonne sind wir weiter durch das ehemalige Gletschertal Richtung chilenische Grenze gezogen. Trotz der Berge hat man hier immer einen unglaublichen Ausblick und die Landschaft erwstreckt sich in sanften Wellen bis zum Horizont. (Jetzt weiß ich, warum Männer immer von weichen, schönen Rundungen träumen – Patagonien!! Obvio!)

Llero, ich und Willyein grüner Vulkanbosque de Nirelunchtimeunsere lunchlaguneLleeeeroooo

Nach weiteren drei Stunden sind wir an einer kleinen Hütte angekommen – dem letzten (und einzigen) argentinischen Refugio vor der Grenze. MItten im Nirgendwo haben wir also unser Lager in der Bretterbude aufgeschlagen und dank dem “Techo” (ein rostiger tonnenförmiger 28-Jahre-alter Ofen) gab es sogar eine excuisine Küche: Guizo de Lentejas! Supergeil!
Man nehme 4 Knoblauchzehen, Zwiebeln, Speckwürfel, Chorizo colorado (ähnlich wie Salami), Kartoffeln, Camote (Süßkartoffel), Kürbis, Fleisch (Rind? Schaf?), Tomatensoße, Oregano, Salz und einen großen Topf!!! Mmhhhhh… der leckerste Eintopf in ganz Südamerika!

Guizo Icarne y zapalloGuizo IIGuizo III FERTIG!! Lecker!da guckt auch der Willy interessiert!desayuno

Mit kugelrunden Bäuchen und erholungsbedürftig haben wir uns auch schon um 21 uhr auf die Matratzen gehauen und tatsächlich fast 11 Stunden durchgeratzt! Das tat gut! Mit dem Ofen war es auch schön warm und von Mäusen hab ich nichts gemerkt. hab gut geschlafen. :) Zum Frühstück gab’s frisch geröstetes Weißbrotbaguette mit “Dulce de Leche” und lecker Milchkaffee.

gutes Wetter auf dem Hinweghier gabs mal einen Waldbrand und nun ist ein Baumfriedhof..das refugio)unser hüttchendas Klo! plumps!auf dem Rückwegzurück in der Eisfrabik

Irgendwann später find Willy dann an rumzuwiehern und hat sich beschwert, dass er woanders zum fressen angebunden ist als die anderen zwei Pferde…. ein launisches Pferd! Dann haben wir angefangen ihn zu beladen und er konnt’s kaum noch erwarten loszutraben und hat Llero immer am Hintern gestupst!!!

Mit ein paar Regentropfen, Wind und eher ungemütlichem Wetter sind wir dann über einen kleinen Kamm zurück geritten und wegen der Schneeschmelze standen alle Wiesen völlig unter Wasser. Mein liebes Pferd Llero (gespr.: Dschero) wollte das gleich mal für ein Bad nutzen (Obwohl er eigentlich Wasser gar nicht so mag und immer versucht um alle Schneeflecken und Pfützen herumzulaufen!) und hat sich plötzlich (mit mir obendrauf) einfach hingelegt. Ahhh… ich bin dann mal ganz gemütlich abgestiegen… hi hi Das Problem war wohl, dass erstens das Pferd eh schon schlechte Laune wegen dem ganzen Wasser hatte und zweitens der Sattelgurt ein bißchen zu straff und zu weit unterm Bauch saß. Ja ja, so ein Pferd hat auch seine Ansprüche. Okidoki, nach dem Beihnahe-Bad für mich und dem Zurechtrücken der Montura ging’s gemütlich weiter. Plitsch platsch plitsch platsch… norf, blöder Regen. Nach Überquerung von zig kleinen Sturzbächen (auch mal springenderweise, damits ja keine nassen Hufe gibt..) und der Durchquerung von kleinen Schneefeldern und großen Matschwiesen, hat endlich wieder die Sonne geschienen. Das hat die Laune von Llero gleich ein verbessert und als wir dann mal die Führung übernommen haben, da standen die Öhrchen wieder fröhlich senkrecht und hingen nicht so nörgelig zur Seite! Hi hi.. unterwegs konnten wir noch einen schönen Adler (Mota?) ganz aus der Nähe beobachten. Dann haben wir eine Herde Kühe verscheucht und sind am Kuhkadaver vorbei über eine Wiese bis zur Estancia gallopst! Yippieh! Was ein Wiedersehensgewieher!

Perito Moreno II

Gletscherland

Die letzte Eiszeit ist schon ein Weilchen her (20 Mio Jahre), aber es gibt welche die überlebt haben: die Gletscher! Das patagonische Inlandeis ist (neben den Polen) die größte zusammenhängende Eisfläche der Erde und gleichzeitig auch einer der größten Süßwasserspeicher! Es erstreckt sich inmitten der Anden über eine Fläche von 17.000 km2 (14.200 km² chilen. und 2.600 km² argent.) . Der Nationalpark „Los Glaciares“ liegt in der Provinz „Santa Cruz“ auf der Ostseite der Anden, also in Argentinien. Hier münden rund 350 Gletscher direkt aus dem „Campo del Hielo Sur“ (UNESCO-Weltkulturerbe). Mit einer der bekanntesten davon ist der Glaciar Perito Moreno, benannt nach einem argentinischen Geograph und Anthropologe, der als einer der ersten die Fauna und Flora Patagoniens erforschte. Sein richtiger Name lautet Francisco Pascasio Moreno und der Titel „Perito“ wurde ihm damals aus Anerkennung und Dankbarkeit von der argentinischen Regierung verliehen.

Der Perito Moreno Gletscher liegt ca. 80km nördlich von Calafate, hat eine Länge von ca. 60km, Fläche ca. 268km2 und mündet in den grösten (komplett inländischen) argentinischen See, den „Lago Argentino“. Die Front des Gletschers (ca. 50m hoch) wird aufgespalten durch eine Halbinsel, die den „Brazo Rico“ vom Lago Argentino trennt. An der Spitze, wo sich die Eismassen mit der Zeit aufstauen gibt es alle paar Jahre einen spektakulären Eisfall zu beobachten, wenn der Eisdamm des Gletschers unter der Last der aufgestauten Wassermassen des Seitenarms (Brazo Rico) zusammenbricht und den Zufluss zum Hauptteil des Sees wieder frei gibt. Die letzten „Durchbrüche“ wareen 1988, 2004 und 2006.

AussichtspunktEisfall IEisfall II

Das „große“ Spektakel konnte ich leider nicht beobachten, aber dafür gab es eine Menge „kleinerer“ Eisfälle an der Nordseite des Gletschers. Das Beste daran ist der unglaubliche Sound! Es grollt und rumort oder knatscht und dann kracht es und die riesigen Eisbrocken fallen platschend ins Wasser, wo durch die Wellen ein „Konzert der Eisschollen“ entsteht, wenn das schwimmende Eisfeld in Bewegung gerät. Wow! Impresionante.
Soviel zum Gehör, nun zu den Augen: Wow, ist das blau!!! Die Farben des Gletschers sind der Hammer! Erstmal die ganzen kuriosen Formen, Zacken und Spalten und dann leuchtet es so purpur blau (falls es diesen Begriff gibt), dass man seinen Augen kaum traut!

Und es gibt sogar einen Bewohner des Gletscher, wenn auch nur eine einzige Art: La Andiperla oder auch la perla de los Andes genannt! Das ist ein kleines (1cm großes) Insekt, dass im Eis lebt und sich dort von Bakterien ernährt. Ein „cooles“ Tier…

Das besondere des Perito Moreno ist ausserdem, dass er einer der wenigen Gletscher ist, der nicht schrumpft! Er stagniert, dass heißt, das in der Akkumulationszone (Campo de Hielo Sur) immer noch genug Schnee fällt, dass die Gesamtmasse des Gletschers trotz der Abbrüche ungefähr gleich bleibt. Durch die Metamorphose des Schnees, wenn sich die Schneekristalle durch ihr Eigengewicht immer mehr verdichten, entsteht auch die wunderschöne blaue Farbe. Je enger die Schneekristalle zusammengepresst werden, desto weniger Luft bleibt eingeschlossen (Pulverschnee 90%, Gletschereis 2% Luftgehalt). Dadurch werden alle Farben außer Blau absorbiert und nur noch diese reflektiert. Pro Tag schiebt sich die Gletscherzunge etwa einen Meter vorwärts! Ab einer Eismasse von 30 Metern Dicke, fängt der Gletscher an zu “wandern”.

Aber nicht nur der Gletscher hat tolle Farben, auch die Seen, die von den Gletschern gespeist werden. Durch die Errosionen am Grunde des Gletschers wird sehr feines Sediment erzeugt, das sogenannte „Till“, welches dem Wasser ein unwiderstehliches hellblau gibt, gerne auch als „Gletschermilch“ bezeichnet.

So und wo wir gerade schonmal so fleißig am Schlaumeiern sind: Wieviel Prozent von einem schwimmenden Eisberg sieht man? Richtig, nur 10% - und warum? Weil Wasser und Eis eine unterschiedliche Dichte haben. Ein Kubikmeter Wasser wiegt 1000kg und ein Kubikmeter Eis 900kg!
Ich finde, dieser Post wäre doch mal ein schöner Beitrag für die Sendung mit der Maus oder? :D

Finalmente lässt sich sagen, es war ein superschöner Tag und wir hatten einen sehr guten Guide (Cecilia) und haben viel gelernt und vor allem gesehen. Auf der Hinfahrt hatten wir viel Glück und konnten einige der schönsten Tierarten Patagoniens aus nächster Nähe beobachten und dann war es auch noch so schön bewölkt am Gletscher, dass es ein reines Farbenspektakel gab. Wenn die Sonne scheint, wäre es nämlich längst nicht so blau gewesen! Die Guides müssen hier übrigens für jeden Nationalpark ein extra Examen (ca. 2 Monate Studienzeit) über Fauna und Flora etc ablegen bevor sie dort arbeiten dürfen. Das find ich sehr sinnvoll, man muss ja schon irgendwie wissen, wo man da langläuft.

blaue EisscholleEistheaterauf dem BootEis- und andere Bergepuro hielohier einmal der Länge nach…


~ Wolfssocke ~

estoy en casa.. en mi estupido pais. :) hace frio aqui, brrrr. extrano mucho la playa en Vina del Mar!!! Y más hecho de menos "mi buque" y mis amigis. :( Quizas volveré en las vacaciones de Navidad! Surpresa... vamos a ver

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