Immer noch überwältigt von der Farbenpracht Patagoniens mit seinen hellblauen milchigen Seen, den grün-gelben Steppen im Vordergrund eingerahmt von schneebedeckten grauschwarzen Bergketten, habe ich beschlossen das Ganze nochmal „pur“ zu genießen und mich für zwei Tage jeglicher Zivilisation zu entziehen.
Um 8:30 Uhr hat mich deshalb Luciano mit einem Taxi abgeholt und wir sind rausgefahren zur Estancia „Largo Roca“. Hier begann unser Ausflug in die Wildnis wie üblich erstmal mit dem Pferdeeinfangen… Als zahlender Touri durfte ich mich jedoch ganz gemütlich übern Zaun hängen und habe derweil den „König der Anden“, einen Kondor am Himmel beobachtet. Gegen Mittag waren dann endlich drei Pferde gefangen und bepackt und es ging los.
Mit dunklen grauen Wolken (die „Eisfabrik“) zu unserer Rechten sind wir schnell der Sonne hinterher ins Nachbartal geritten, wo wir eine Herde Guanacos aufgescheucht haben. Weit und breit kein Mensch und keine Zivilisation zu sehen – herrlich! Nach ca. 2,5 Std haben wir an einem kleinen wilden Bächlein Mittagspause gemacht und leckeres Sandwich mit einem argentinischen Merlot (serviert auf roter Tischdecke) genossen. Nach einem kleinen Nickerchen in der Sonne sind wir weiter durch das ehemalige Gletschertal Richtung chilenische Grenze gezogen. Trotz der Berge hat man hier immer einen unglaublichen Ausblick und die Landschaft erwstreckt sich in sanften Wellen bis zum Horizont. (Jetzt weiß ich, warum Männer immer von weichen, schönen Rundungen träumen – Patagonien!! Obvio!)
Nach weiteren drei Stunden sind wir an einer kleinen Hütte angekommen – dem letzten (und einzigen) argentinischen Refugio vor der Grenze. MItten im Nirgendwo haben wir also unser Lager in der Bretterbude aufgeschlagen und dank dem “Techo” (ein rostiger tonnenförmiger 28-Jahre-alter Ofen) gab es sogar eine excuisine Küche: Guizo de Lentejas! Supergeil!
Man nehme 4 Knoblauchzehen, Zwiebeln, Speckwürfel, Chorizo colorado (ähnlich wie Salami), Kartoffeln, Camote (Süßkartoffel), Kürbis, Fleisch (Rind? Schaf?), Tomatensoße, Oregano, Salz und einen großen Topf!!! Mmhhhhh… der leckerste Eintopf in ganz Südamerika!
Mit kugelrunden Bäuchen und erholungsbedürftig haben wir uns auch schon um 21 uhr auf die Matratzen gehauen und tatsächlich fast 11 Stunden durchgeratzt! Das tat gut! Mit dem Ofen war es auch schön warm und von Mäusen hab ich nichts gemerkt. hab gut geschlafen.
Zum Frühstück gab’s frisch geröstetes Weißbrotbaguette mit “Dulce de Leche” und lecker Milchkaffee.
Irgendwann später find Willy dann an rumzuwiehern und hat sich beschwert, dass er woanders zum fressen angebunden ist als die anderen zwei Pferde…. ein launisches Pferd! Dann haben wir angefangen ihn zu beladen und er konnt’s kaum noch erwarten loszutraben und hat Llero immer am Hintern gestupst!!!
Mit ein paar Regentropfen, Wind und eher ungemütlichem Wetter sind wir dann über einen kleinen Kamm zurück geritten und wegen der Schneeschmelze standen alle Wiesen völlig unter Wasser. Mein liebes Pferd Llero (gespr.: Dschero) wollte das gleich mal für ein Bad nutzen (Obwohl er eigentlich Wasser gar nicht so mag und immer versucht um alle Schneeflecken und Pfützen herumzulaufen!) und hat sich plötzlich (mit mir obendrauf) einfach hingelegt. Ahhh… ich bin dann mal ganz gemütlich abgestiegen… hi hi Das Problem war wohl, dass erstens das Pferd eh schon schlechte Laune wegen dem ganzen Wasser hatte und zweitens der Sattelgurt ein bißchen zu straff und zu weit unterm Bauch saß. Ja ja, so ein Pferd hat auch seine Ansprüche. Okidoki, nach dem Beihnahe-Bad für mich und dem Zurechtrücken der Montura ging’s gemütlich weiter. Plitsch platsch plitsch platsch… norf, blöder Regen. Nach Überquerung von zig kleinen Sturzbächen (auch mal springenderweise, damits ja keine nassen Hufe gibt..) und der Durchquerung von kleinen Schneefeldern und großen Matschwiesen, hat endlich wieder die Sonne geschienen. Das hat die Laune von Llero gleich ein verbessert und als wir dann mal die Führung übernommen haben, da standen die Öhrchen wieder fröhlich senkrecht und hingen nicht so nörgelig zur Seite! Hi hi.. unterwegs konnten wir noch einen schönen Adler (Mota?) ganz aus der Nähe beobachten. Dann haben wir eine Herde Kühe verscheucht und sind am Kuhkadaver vorbei über eine Wiese bis zur Estancia gallopst! Yippieh! Was ein Wiedersehensgewieher!

Der Ausritt jenseits der Zivilisation hat sich auf jeden Fall gelohnt, Abenteuer pur