Die letzte Eiszeit ist schon ein Weilchen her (20 Mio Jahre), aber es gibt welche die überlebt haben: die Gletscher! Das patagonische Inlandeis ist (neben den Polen) die größte zusammenhängende Eisfläche der Erde und gleichzeitig auch einer der größten Süßwasserspeicher! Es erstreckt sich inmitten der Anden über eine Fläche von 17.000 km2 (14.200 km² chilen. und 2.600 km² argent.) . Der Nationalpark „Los Glaciares“ liegt in der Provinz „Santa Cruz“ auf der Ostseite der Anden, also in Argentinien. Hier münden rund 350 Gletscher direkt aus dem „Campo del Hielo Sur“ (UNESCO-Weltkulturerbe). Mit einer der bekanntesten davon ist der Glaciar Perito Moreno, benannt nach einem argentinischen Geograph und Anthropologe, der als einer der ersten die Fauna und Flora Patagoniens erforschte. Sein richtiger Name lautet Francisco Pascasio Moreno und der Titel „Perito“ wurde ihm damals aus Anerkennung und Dankbarkeit von der argentinischen Regierung verliehen.
Der Perito Moreno Gletscher liegt ca. 80km nördlich von Calafate, hat eine Länge von ca. 60km, Fläche ca. 268km2 und mündet in den grösten (komplett inländischen) argentinischen See, den „Lago Argentino“. Die Front des Gletschers (ca. 50m hoch) wird aufgespalten durch eine Halbinsel, die den „Brazo Rico“ vom Lago Argentino trennt. An der Spitze, wo sich die Eismassen mit der Zeit aufstauen gibt es alle paar Jahre einen spektakulären Eisfall zu beobachten, wenn der Eisdamm des Gletschers unter der Last der aufgestauten Wassermassen des Seitenarms (Brazo Rico) zusammenbricht und den Zufluss zum Hauptteil des Sees wieder frei gibt. Die letzten „Durchbrüche“ wareen 1988, 2004 und 2006.
Das „große“ Spektakel konnte ich leider nicht beobachten, aber dafür gab es eine Menge „kleinerer“ Eisfälle an der Nordseite des Gletschers. Das Beste daran ist der unglaubliche Sound! Es grollt und rumort oder knatscht und dann kracht es und die riesigen Eisbrocken fallen platschend ins Wasser, wo durch die Wellen ein „Konzert der Eisschollen“ entsteht, wenn das schwimmende Eisfeld in Bewegung gerät. Wow! Impresionante.
Soviel zum Gehör, nun zu den Augen: Wow, ist das blau!!! Die Farben des Gletschers sind der Hammer! Erstmal die ganzen kuriosen Formen, Zacken und Spalten und dann leuchtet es so purpur blau (falls es diesen Begriff gibt), dass man seinen Augen kaum traut!
Und es gibt sogar einen Bewohner des Gletscher, wenn auch nur eine einzige Art: La Andiperla oder auch la perla de los Andes genannt! Das ist ein kleines (1cm großes) Insekt, dass im Eis lebt und sich dort von Bakterien ernährt. Ein „cooles“ Tier…
Das besondere des Perito Moreno ist ausserdem, dass er einer der wenigen Gletscher ist, der nicht schrumpft! Er stagniert, dass heißt, das in der Akkumulationszone (Campo de Hielo Sur) immer noch genug Schnee fällt, dass die Gesamtmasse des Gletschers trotz der Abbrüche ungefähr gleich bleibt. Durch die Metamorphose des Schnees, wenn sich die Schneekristalle durch ihr Eigengewicht immer mehr verdichten, entsteht auch die wunderschöne blaue Farbe. Je enger die Schneekristalle zusammengepresst werden, desto weniger Luft bleibt eingeschlossen (Pulverschnee 90%, Gletschereis 2% Luftgehalt). Dadurch werden alle Farben außer Blau absorbiert und nur noch diese reflektiert. Pro Tag schiebt sich die Gletscherzunge etwa einen Meter vorwärts! Ab einer Eismasse von 30 Metern Dicke, fängt der Gletscher an zu “wandern”.
Aber nicht nur der Gletscher hat tolle Farben, auch die Seen, die von den Gletschern gespeist werden. Durch die Errosionen am Grunde des Gletschers wird sehr feines Sediment erzeugt, das sogenannte „Till“, welches dem Wasser ein unwiderstehliches hellblau gibt, gerne auch als „Gletschermilch“ bezeichnet.
So und wo wir gerade schonmal so fleißig am Schlaumeiern sind: Wieviel Prozent von einem schwimmenden Eisberg sieht man? Richtig, nur 10% - und warum? Weil Wasser und Eis eine unterschiedliche Dichte haben. Ein Kubikmeter Wasser wiegt 1000kg und ein Kubikmeter Eis 900kg!
Ich finde, dieser Post wäre doch mal ein schöner Beitrag für die Sendung mit der Maus oder?
Finalmente lässt sich sagen, es war ein superschöner Tag und wir hatten einen sehr guten Guide (Cecilia) und haben viel gelernt und vor allem gesehen. Auf der Hinfahrt hatten wir viel Glück und konnten einige der schönsten Tierarten Patagoniens aus nächster Nähe beobachten und dann war es auch noch so schön bewölkt am Gletscher, dass es ein reines Farbenspektakel gab. Wenn die Sonne scheint, wäre es nämlich längst nicht so blau gewesen! Die Guides müssen hier übrigens für jeden Nationalpark ein extra Examen (ca. 2 Monate Studienzeit) über Fauna und Flora etc ablegen bevor sie dort arbeiten dürfen. Das find ich sehr sinnvoll, man muss ja schon irgendwie wissen, wo man da langläuft.

