Bezaubert von der Schönheit Patagoniens und verwirrt von den manchmal erschreckenden Abgründen menschlichen Handelns, entschließe ich mich auf gut Glück eine Bewerbung an die Naviera MS Magellanes (Navimag) in Puerto Montt zu schicken.
Nach meinerm Gespräch mit Andrea an dem Abend in der Pisco Bar in Natales, geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, dass ich vielleicht als Touriguide auf dem Schiff anheuern und so tagtäglich durch die mystisch schönen patagonischen Kanäle fahren könnte. Auf meine schriftliche Bewerbung hin bekomme ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in Puerto Montt. Aufgeregt und immer noch unsicher ob ich dieser Aufgabe überhaupt gewachsen bin (in Spanisch und Englisch vor mehr als 200 wildfremden Touristen den Entertainer spielen und Diavorträge halten…ahhhh.), lasse ich einfach geschehen, was geschehen soll. Drei nervenzermürbende Wochen warte ich in Perto Montt auf das Ergebnis der Bürogespräche. Ja, die südamerikanische Gelassenheit und die deutlich gedehntere Auffassung von Zeit, können einen schon ganz schön quälen. Immer wieder stehe ich montags im Hafen und besuche Andrea, wenn sie für ein paar Stunden Landgang hat. Doch drei Wochen lang bleibt die Sehnsucht unerfüllt und langsam bohrt der Zweifel stärker, ob es nicht klüger wäre die Sache zu vergessen und weiterzureisen. Immer wieder sticht es in meinem Herzen, wenn ich auf der Kaimauer sitze und der Evangelistas hinterherschaue wie sie ohne mich in die Stille der patagonischen Kanäle hinausschwimmt. Wie sehr sehne ich mich danach an Bord zu sein und wieder tiefer in das schöne Patagonien zu gelangen!
Als ich eigentlich schon den Entschluss gefasst hatte nun meine Reise fortzusetzen und dem Warten ein Ende zu machen, führt mich die „Routine“ ein letztes Mal montags ins Büro von Navimag. Bis heute ist es mir noch unklar was dann geschah, aber zwei Stunden später stand ich nur mit einem hastig zusammengepackten Rucksack an Deck und sah zu wie die Stadt Puerto Montt hinter uns immer kleiner wurde… Ich hab’s geschafft! Ich bin an Bord! Ich habe Arbeit! Und ich bin in Patagonien!!!
Doch nun ging es erst richtig los… wow, die ersten drei Wochen war ich als Schatten an Andrea geheftet und habe Tag und Nacht die Ansagen und Vorträge, die mir nun aufgetragen wurden gepaukt – in Spanisch, Englisch und Deutsch. Uff, von Seekrankheit während der Durchquerungen der offenen See war nichts zu spüren. Dazu hatte ich gar keinen Kopf, geschweige denn Zeit. Ich stand von morgens um 7 bis abends um 23 uhr unter Strom und habe mich durch meine ersten verpatzten Ansagen gekämpft. Doch jeder noch so kleine Erfolg gab mir doppelte Energie für jede weitere Hürde. Noch dazu haben mich immer alle unterstützt, sowohl meine Mannschaftskameraden wie auch oft die Passagiere. Es sind eben doch alles nur Menschen und keine Ungeheuer, auch wenn sie manchmal so erscheinen mögen.
Schließlich kam der spannende Tag an dem Andrea in ihren Urlaub entlassen wurde und ich nun in der Rangfolge plötzlich als Guide Nr.1 dastand.
Zusammen mit einer neuen Kollegin, die noch weniger Plan hatte als ich, haben wir den ersten Passagierwechsel in Natales erfolgreich bestritten. Alles lief wie am Schnürchen und so konnten wir später in Natales getrost auf eine „neue Aera“ anstossen..
Die drei Monate im Dienste von Navimag waren die besten auf meiner ganzen Chilereise und auch die schönsten in meinem gesamten bisherigen Leben. Der Zusammenhalt innerhalb der Crew war fantastisch, die Arbeitsatmosphäre grandios, ganz zu schweigen von der Landschaft in der wir uns befanden… einmalig, unvergesslich, unbeschreiblich.
gracios a dios que me metí en esto!



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